Buchtipp: Mut zur Gruppe

Das Buch "Mut zur Gruppentherapie" richtet sich an Psychotherapeut*innen in der ambulanten Psychotherapie-Praxis mit Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenenen. In diesem stellen die Autor*innen praxistaugliche Konzepte für die ambulante Praxis vor. Es ist ein sehr praktisch orientiertes Buch mit Leitfäden, Tipps zu Interventionen und Antragsbeispielen.

Das Praxisbuch für Psychotherapeuten

Gruppentherapie wird in unserer schnelllebigen Gesellschaft immer bedeutender bei existenziellen Ängsten und steuert Versorgungsengpässen entgegen.
Dieses Buch ermutigt niedergelassene Psychotherapeut*innen, Gruppenpsychotherapie anzubieten und die Vorteile von Kombinationsbehandlungen zu nutzen. Eine therapeutisch geführte Gruppe stellt einen Mikrokosmos dar, einen geschützten Rahmen zur Erprobung vielfältiger Kommunikations- und Handlungsweisen. Das Ziel psychodynamisch geführter Gruppen ist es, maladaptive Verhaltensweisen im Spiegel der anderen Teilnehmer neu zu bewerten und sich in affektiver, kognitiver und interaktiver Hinsicht weiterzuentwickeln. Der Gruppenzusammenhalt gilt per se als ein wichtiger Heilfaktor. Gegenseitige Empathie, aber auch zunehmende Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz, verhelfen dazu, die eigene Identität zu stärken und wichtige soziale Kompetenzen zu entwickeln. Psychodynamisch geführte Gruppen können für jedes Lebensalter eine Orientierungshilfe sein.

Interview mit Frau Dr. Sabine Trautmann-Voigt und Gruppenplatz

Gruppenplatz:Frau Dr. Trautmann-Voigt trotz der vielen Vorteile spielt Gruppenpsychotherapie in der ambulanten Psychotherapie-Versorgung bislang kaum eine Rolle. So nahmen 2014 nur 1,5% der gesetzlich Versicherten eine Psychotherapie in der Gruppe in Anspruch (TK).
In Deutschland sind etwa 8.500 Psychotherapeuten zur ambulanten Gruppenpsychotherapie im KV-System zugelassen. Derzeit bieten jedoch nur etwa 300 Psychotherapeuten Gruppenpsychotherapie nach den Psychotherapie-Richtlinien an, was gerade mal einem Anteil von 5% der Zugelassenen entspricht.
Was meinen Sie könnten hierfür Gründe hierzu sein?
Frau Dr. Trautmann-Voigt:Das Studium zur*m Psychotherapeut*in ist bisher sehr zentriert auf die Einzeltherapie, sodass die Interventionsform Gruppe oft nicht im Focus der Psychotherapeut*innen liegt.
Auch wenig angeleitete Praxiserfahrung im Umgang mit Gruppen und Ihren speziellen Herausforderungen/Wirkfaktoren führen zu einer Unsicherheit in der Leitung einer Gruppe. Zudem scheuen sich viele niedergelassene Psychotherapeut*innen vor der Organisation der Termine, Absprachen etc.
Gruppenplatz:Welche Veränderung hat die Psychotherapie-Richtlinie seit 2017 für die Gruppenpsychotherapie gebracht?
Frau Dr. Trautmann-Voigt:Die Psychotherapie-Richtlinie bietet Erleichterungen und neue Möglichkeiten der Gruppenpsychotherapie an. Im ambulanten Angebot ist nun die kein Bericht an den Gutachter mehr notwendig (Das Antragsverfahren bleibt aber erhalten).
Auch ist eine Kombination von Einzel- und Gruppentherapie ist nun einfacher möglich. Teilnehmer*innen können die Kombinationsbehandlung bei einer*m Therapeut*in durchführen oder bei zwei Therapeut*innen.
Auch der wirtschaftliche Faktor der Gruppe ist nicht zu unterschätzen, die Vergütung wurde erhöht und gestaffelt auf 3- 9 Teilnehmer*innen. Weiterhin bietet die Gruppe das Potenzial mehr Betroffene ambulant zu versorgen.
Alles Veränderungen die auf die Flexibilität der niedergelassene Therapeut*innen einzahlen.
Gruppenplatz:Wie ist Ihr Buch entstanden und was erwartet die Leser?
Frau Dr. Trautmann-Voigt:Mittlerweile habe ich langjähige Erfahrung in der Arbeit mit Gruppen, genau wie die weiteren Autoren. Ich bin überzeugt von der Wirksamkeit der Gruppe, dies haben wir auch in der Studie noch lange vor der Psychotherapie-Reform belegen können. Mit dem Buch möchten wir praxistaugliche Konzepte für die ambulante Praxis vorstellen - passend zugeschnitten auf die Bedingungen der neuen Psychotherapie-Richtlinie.
Auch in der Leitung der Köln-Bonner Akademie für Psychotherapie konnte ich viele Erfahrungen mit Kolleg*innen sammeln in der Durchführung von Gruppen, die auch in das Buch eingeflossen sind.
Gruppenplatz:Wie profitieren psychisch Erkrankte von einer Therapie in der Gruppe?
Frau Dr. Trautmann-Voigt:Die Interaktionen in der Gruppentherapie erleichtern die eigene Problemanalyse. Teilnehmer*innen profitieren davon die Lösungen auch bei anderen zu sehen! Dies führt zu mehr Austausch und Entwicklungsmöglichkeiten als im Einzelsetting. Mentalisierungsmöglichkeiten und Alternativen der Konfliktlösung sind weitere Themen die besser platziert und direkt geübt werden können.

Autorin

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Dr. phil. Sabine Trautmann-Voigt, Psychologische Psychotherapeutin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin; Leitung Medizinisches Versorgungszentrum für Psychotherapie, Psychosomatik und Psychiatrie Bonn und der Köln-Bonner Akademien für Psychotherapie und Verhaltenstherapie.

Quellen

Techniker Krankenkasse, Anteil Therapieformen in der ambulanten Versorgung psychisch Kranker 2014

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