Wann brauchen Angehörige von psychisch Erkrankten Unterstützung? - Gruppenplatz

Wann brauchen Angehörige von psychisch Erkrankten Unterstützung?

Menschen mit Depressionen oder anderen seelischen Erkrankungen brauchen Unterstützung durch ihre Familie und Freunde. Gleichzeitig ist der Umgang mit einem psychisch Erkrankten für Angehörige oft gar nicht so einfach.

Wie kann man helfen und wann braucht man selbst Unterstützung?

Psychische Erkrankungen wie Borderline, Schizophrenie oder eine Abhängigkeitserkrankung gehen fast immer mit Depressionen einher. Leider gibt es kein Patentrezept dafür, wie man als Angehöriger helfen kann. Für Erkrankte bedeutet es in der Regel aber schon eine große Erleichterung, wenn sie spüren können, dass jemand an ihrer Seite ist. Eine einfache Möglichkeit ist es, den Betroffenen zu fragen, ob es etwas gibt, das ihn unterstützen könnte. Abhängig von der Art der psychischen Erkrankung ist es auch eine gute Idee, immer wieder gemeinsame Unternehmungen vorzuschlagen. Gerade bei Depressionen können Aktivitäten helfen, den Blick auf das innere Leid für eine Weile abzulenken. Es kann jedoch Teil einer Depression sein, keine Energie für Aktivitäten zu haben. Trotzdem ist es wichtig, präsent zu bleiben, und regelmäßig vorzuschlagen, gemeinsam Zeit zu verbringen.
Entscheidet sich der Betroffene zu einer Psychotherapie, kann er langfristig wieder mehr Kraft schöpfen. Allerdings braucht es immer eine gewisse Zeit, bis eine Therapie wirkt – wie lang, ist individuell verschieden. Viele stellen bereits nach rund fünf Sitzungen erste Verbesserungen fest.

Was man vermeiden sollte

"Gut gemeint ist etwas anderes, als gut gemacht" - dieser Spruch ist zwar ganz schön abgedroschen, doch er trifft im Umgang mit depressiven Menschen leider noch immer häufig zu. Ein Grund ist, dass bis heute Depressionen von vielen mit Traurigkeit verwechselt werden. Doch Depressionen haben eine ganze Reihe weiterer Symptome, die das Leben massiv einschränken können. Dazu gehören:
  • Fehlendes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle
  • Konzentrationsstörungen
  • Sorgen, negative Gedanken um die Zukunft
  • Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme
  • Verlust von Appetit
  • Gefühllosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Suizidgedanken
Jeder war schon einmal traurig und weiß, dass eine getrübte Stimmung auch wieder vorbeigeht. Bei Depressionen ist das jedoch etwas Anderes. Seit den 1960er Jahren weiß man zum Beispiel, dass der Hirnstoffwechsel im Zustand einer Depression beeinträchtigt ist.
Pflegende Angehörige

Es hilft Betroffenen nicht, wenn sie diese Sätze hören:

  • "Lach doch mal!"
  • "Mach' dir nicht immer so viele Gedanken."
  • "Du hast gar keinen Grund, dir Sorgen zu machen."
  • "Anderen geht es auch manchmal schlecht, das ist normal."
  • "Vom Rumjammern wird es auch nicht besser."
Langfristig müssen Betroffene lernen, sich selbst wieder mehr Vertrauen zu schenken, auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten und schädliche Verhaltensmuster zu hinterfragen. Das gelingt am besten im Rahmen einer Psychotherapie, gemeinsam mit einem vertrauensvollen Therapeuten.
Womit man rechnen sollte, wenn ein Angehöriger eine Therapie beginnt
Eine Psychotherapie wirbelt viel Staub auf, setzt aber auch viele positive Veränderungen in einem Menschen in Gang. Weil eine Therapie vor allem den Selbstwert stärkt, trauen sich viele Patienten plötzlich Dinge, vor denen sie sich früher gefürchtet haben. Zum Beispiel lernen sie, sich anderen gegenüber besser abzugrenzen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und einzufordern.
Das ist nicht in allen Fällen zur größten Freude für Angehörige und oft beginnt es mit Kleinigkeiten: Partner sind zum Beispiel plötzlich nicht mehr bereit, den Haushalt komplett alleine zu machen oder fordern für sich mehr Freiraum mit Freunden ein. Eine Therapie kann also durchaus zu Konflikten innerhalb einer Partnerschaft führen. Tatsächlich muss auch erwähnt werden, dass Menschen in Therapien oft ihre Beziehungen zu Partnern, Familienmitgliedern und Freunden zu hinterfragen beginnen. Hierdurch können Konfliktfelder entstehen, die es vor der Therapie nicht gab und es kann sein, dass man hier als Partner an eigene Grenzen gerät.
Wenn du als Angehöriger merkst, dass du durch die Veränderungen des Partners oder Angehörigen selbst stark beeinträchtigt wirst, besteht die Möglichkeit sich Unterstützung durch eine psychologische Beratung zu suchen. Der Blick eines Außenstehenden kann helfen, die Dinge klarer zu sehen, die regelmäßigen Gespräche können eine große Entlastung im Alltag bedeuten. Ob es dabei eher um Schwierigkeiten mit dem erkrankten Angehörigen oder um eigene Themen geht, muss am Anfang noch gar nicht unbedingt feststehen. Ein Schwerpunkt kann sich auch erst im Verlauf der Beratung herausstellen.
Psychische Erkrankungen in der Partnerschaft
Woran erkennt man, dass man selbst Hilfe braucht?
Angehörige psychisch Kranker sind selbst indirekt Betroffene der Erkrankung. Störungen wie Schizophrenie oder Borderline verändern die Wahrnehmung zum Teil massiv und so kommt es im Alltag immer wieder zu Situationen, die nur schwer zu ertragen sind. Es ist verständlich, dass man als Angehöriger für einen Erkrankten da sein möchte, doch wenn man dafür ständig an eigene Grenzen oder darüber hinaus gehen muss, kann man auf Dauer selbst krank werden.
Viele Menschen machen sich Vorwürfe, nicht genügend für den psychisch Erkrankten zu tun, häufig ist eher das Gegenteil der Fall. Doch Selbstaufopferung ist eine Sackgasse.
Beratung kann für Angehörige sinnvoll sein, wenn:
  • das Gefühl vorherrscht, dass sich das eigene Leben nur noch um die Erkrankung des Partners dreht.
  • der Verdacht besteht, selbst eine Depression zu entwickeln
  • du dich mit der Erkrankung deines Partners oder Angehörigen überfordert fühlst
Alternativ besteht natürlich auch die Möglichkeit, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. In dem Fall profitierst du von den Erfahrungen anderer Angehöriger. NAKOS bietet ihr umfangreiche Informationen und eine Umkreissuche.
Ein wichtiger Ausblick zum Schluss: Psychische Erkrankungen sind nicht immer heilbar, doch mit der richtigen Therapie lassen sie sich soweit in den Griff bekommen, dass ein ausgeglichenes Leben wieder möglich wird.
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